7.5 Community und Stammkunden: Warum du in fünf Jahren noch fährst
Von Oliver Preuss | Eiswagenbetreiber seit über 17 Jahren
Der erste Sommer ist das eine. Aber was entscheidet darüber, ob du in fünf Jahren immer noch unterwegs bist?
Meiner Erfahrung nach nicht dein Marketingbudget. Sondern deine Verankerung vor Ort.
Wer sich in seiner Region engagiert, wird irgendwann nicht mehr als Anbieter wahrgenommen, sondern als Teil der Gemeinschaft. Und daraus entsteht die Mundpropaganda, die wirkungsvoller ist als jede bezahlte Anzeige – und die du mit Geld gar nicht kaufen kannst.
Der Unterschied zwischen Laufkundschaft und Stammkunden
Laufkundschaft kauft, weil du gerade da bist. Stammkunden warten auf dich.
Das ist ein enormer Unterschied für dein Geschäft. Laufkundschaft musst du jedes Mal neu gewinnen. Stammkunden hören deine Musik und stehen schon am Straßenrand, bevor du hältst. Sie bringen ihre Nachbarn mit. Und sie kommen auch dann, wenn das Wetter nicht perfekt ist.
Genau deshalb ist es lohnender, in Beziehungen zu investieren als in Reichweite.
Wie du zum Teil der Gemeinschaft wirst
Sei bei lokalen Anlässen dabei. Vereinsfeste, Schulveranstaltungen, Sommerfeste, Straßenfeste. Nicht nur als Verkäufer, sondern als jemand, der dazugehört. Wer einmal beim Sportvereinsfest dabei war, ist im Ort kein Fremder mehr.
Unterstütze, wo es passt. Ein Sponsoring für die Jugendmannschaft, eine Spende für ein Schulfest, Eis für eine Vereinsfeier zum Sonderpreis. Das muss nicht groß sein. Es muss sichtbar und ehrlich sein.
Sag Ja zu Anfragen, wenn es sich einrichten lässt. Der Kindergarten, der für den Abschlusstag anfragt. Die Firma, die zum Sommerfest jemanden sucht. Solche Termine sind selten die umsatzstärksten des Jahres – aber sie machen dich bekannt bei genau den Leuten, die danach auf deiner Tour stehen.
Und der einfachste Punkt von allen: Sei verlässlich da. Wenn du sagst, du kommst dienstags um vier, dann komm dienstags um vier. Verlässlichkeit ist im mobilen Verkauf die unterschätzteste Marketingmaßnahme überhaupt. Menschen richten ihren Nachmittag nach dir – aber nur, wenn sie sich darauf verlassen können.
Erkenne deine Kunden wieder
Das klingt banal und ist der stärkste Hebel, den du hast.
Wenn du dir merkst, dass die Dame aus dem zweiten Haus immer Stracciatella nimmt, und beim nächsten Mal fragst, ob es wieder Stracciatella sein darf – dann hast du etwas erreicht, das keine Werbung schafft. Der Mensch fühlt sich gesehen.
Bei einem Kind, das nicht weiß, welche Sorte es nehmen soll, ein bisschen Geduld. Bei jemandem, der es eilig hat, ein zügiger Ablauf. Bei jemandem, der reden will, zwei Sätze mehr.
Das ist keine Technik. Es ist schlicht der Unterschied zwischen einem Verkäufer und einem Eismann, den man kennt.
Kleine Dinge, die Wiederkehr fördern
Eine Stempelkarte. Nach einer bestimmten Anzahl Kugeln eine gratis. Einfach, verständlich, wirkt.
Etwas für die Kleinsten. Ein Sticker, ein Mini-Becher für die ganz Kleinen. Kinder erinnern sich, und Eltern kommen wegen der Kinder.
Aufmerksamkeit bei besonderen Anlässen. Wenn du weißt, dass jemand Geburtstag hat, ein Extra obendrauf. Das kostet dich Cent und bleibt jahrelang in Erinnerung.
Wichtig dabei: Diese Dinge ersetzen keine Qualität. Sie verstärken sie. Wer schlechtes Eis mit Stickern kompensieren will, verliert die Leute trotzdem.
Deine Route ist deine wichtigste Beziehungsarbeit
Ein Punkt, der oft übersehen wird: Community entsteht nicht nur durch Events, sondern durch Wiederholung.
Wenn du dieselben Orte regelmäßig anfährst, wirst du dort zum festen Bestandteil der Woche. Die Leute kennen deine Zeiten, sie erwarten dich, sie erzählen davon. Wer dagegen jede Woche woanders steht, bleibt überall fremd.
Wie du deine Touren aufbaust und welche Orte sich dafür eignen, habe ich in der Kategorie „Markt, Touren & Verkauf" beschrieben. Für dieses Thema zählt nur eins: Beständigkeit schlägt Abwechslung.
Bleib auch außerhalb der Saison präsent
Deine Saison läuft von April bis Ende September. In den Monaten danach vergessen dich die Leute – wenn du nichts dagegen tust.
Das muss kein Aufwand sein. Ein Gruß zum Saisonende mit Dank an alle. Eine Nachricht im Winter, wenn du deinen Wagen wartest. Und rechtzeitig vor dem Frühjahr die Ankündigung, wann es wieder losgeht.
Wer im März schon weiß, dass du im April wiederkommst, steht im April am Straßenrand.
Mundpropaganda kann man nicht kaufen
Zum Schluss der Punkt, auf den alles hinausläuft.
Die beste Werbung für deinen Eiswagen ist ein Nachbar, der zu einem anderen Nachbarn sagt: „Der kommt immer dienstags, und das Eis ist richtig gut." Diesen Satz kannst du nicht bezahlen. Du kannst nur dafür sorgen, dass er stimmt.
Alles, was in dieser Kategorie steht – Marke, Webseite, Social Media, Eröffnung – dient letztlich diesem einen Ziel: dass Menschen über dich reden, weil sie dich mögen.
Mein Fazit
Marketing im Eiswagen-Geschäft bedeutet nicht, laut zu sein. Es bedeutet, erkennbar und verlässlich zu sein.
Sei bei den Anlässen dabei, die deinem Ort wichtig sind. Merk dir deine Kunden. Halte deine Zeiten ein. Und bleib auch im Winter im Gedächtnis.
Dann brauchst du in fünf Jahren keine Werbung mehr. Dann bist du der Eismann.
Damit ist diese Kategorie komplett
In dieser Kategorie findest du außerdem Artikel zum Markenaufbau, zur eigenen Webseite, zu Social Media sowie zu Pre-Launch und Eröffnung.
Über den Autor
Von Oliver Preuss – seit über 17 Jahren im mobilen Eisverkauf. Gemeinsam mit meiner Frau Judith betreibe ich zwei Eiswagen im Raum Freudenstadt und Calw. Auf EiswagenPro gebe ich weiter, was ich in dieser Zeit gelernt habe – ohne Beschönigung.
Dein nächster Schritt
Wenn du noch am Anfang stehst, hol dir meinen kostenlosen Starter-Guide „Die 5 entscheidenden Schritte zum eigenen Eiswagen".
Und wenn du dein Geschäft von Anfang an auf Stammkunden ausrichten willst, begleitet dich der Eiswagen-Führerschein vom ersten Gedanken bis zur ersten Kugel – und darüber hinaus.