Ein Praxisbericht von Oliver Preuss
Eine ehrliche Rechnung aus der Praxis.
Eine der häufigsten Fragen, die mir als Eiswagen-Betreiber gestellt wird, lautet: Was kann man mit einem Eiswagen realistisch verdienen – und kann man davon leben?
Oder anders gesagt: Lohnt sich ein Eiswagen heute überhaupt noch?
Genau diese Frage beantworte ich in diesem Beitrag anhand eines konkreten Praxisbeispiels aus dem Straßenverkauf. Denn wer sich mit dem Gedanken beschäftigt, sich mit einem Eiswagen selbstständig zu machen oder ein eigenes Eiswagen Business aufzubauen, braucht keine Fantasiezahlen, sondern ehrliche Erfahrungswerte aus der Praxis.
Wichtig vorweg: Die Zahlen, die ich hier nenne, sind keine Garantie und kein Versprechen. Der tatsächliche Eiswagen-Verdienst hängt von Region, Tourenplanung, Sortiment, Verkaufspreisen, Kostenstruktur, Erfahrung und vielen kleinen weiteren Details ab. Aber die Beispiele zeigen, was im Eiswagen-Geschäft realistisch möglich sein kann, wenn viele Dinge gut zusammenspielen.
Die Werte stammen nicht nur aus meinen eigenen Erfahrungen, sondern auch aus dem Austausch mit Kollegen. Ich nenne sie nicht, um anzugeben, sondern um dir eine ehrlichere Grundlage für deine Entscheidung zu geben: Ist ein Eiswagen-Business für dich interessant – oder eher nicht?
Warum die Verdienstfrage beim Eiswagen so oft gestellt wird
Viele schauen zuerst auf den Preis einer Kugel Eis. Dort steht zum Beispiel: 1,80 € pro Kugel.
Dann rechnet man vielleicht: 3 Kunden kaufen im Schnitt 1,5 Kugeln. Das ergibt 4,5 Kugeln × 1,80 € = 8,10 € Umsatz an einem Stopp.
Auf den ersten Blick klingt das nicht besonders viel. Und dann kommen sofort die nächsten Fragen:
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Was ist, wenn beim nächsten Stopp niemand kommt?
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Was ist, wenn es regnet?
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Es ist ein Saisongeschäft. Reicht der Verdienst für das ganze Jahr?
Diese Gedanken sind völlig verständlich. Gerade am Anfang sieht man oft nur den einzelnen Verkauf. Man schaut auf einen Stopp, auf ein paar Kugeln Eis und fragt sich dann: Kann daraus wirklich ein tragfähiges Geschäft entstehen, von dem ich und meine Familie ein ganzes Jahr leben können?
Ein erfahrener Eiswagen-Betreiber rechnet anders. Er schaut nicht nur auf einen einzelnen Stopp, sondern auf den Durchschnitt einer ganzen Tour. Ein einzelner Stopp kann schwach sein. Der nächste kann dafür deutlich stärker sein. Entscheidend ist am Ende der Durchschnitt pro Stopp und die Anzahl der Stopps auf der Tour.
Beim Eiswagen Verdienst kommt es also nicht nur darauf an, wie viel ein einzelner Kunde kauft. Entscheidend ist, wie gut die gesamte Route funktioniert.
Eiswagen Umsatz: Ein echtes Beispiel aus der Praxis (Straßenverkauf)
Schauen wir uns ein konkretes Beispiel aus dem Straßenverkauf an.
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Der Tag: Donnerstag
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Das Wetter: sonnig, 26 °C
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Die Route: Start um 13:15 Uhr in einem mittelgroßen Industriegebiet in einer ländlichen Region. Anschließend geht es in ein Dorf.
Es werden 10 Firmen angefahren. Anschließend geht es ins Dorf mit weiteren 26 Verkaufsstopps. Das ergibt insgesamt 36 Verkaufsstopps. Die Tour endet gegen 21.00 Uhr.
An einem solchen Tag liegt der durchschnittliche Umsatz bei ca. 34,50 € pro Stopp. Die Rechnung sieht dann so aus: 36 Stopps × 34,50 € = 1.242 € Brutto-Umsatz.
Das ist ein realistischer Wert für einen guten normalen Verkaufstag im Straßenverkauf, unter den genannten Bedingungen. Jetzt schauen wir auf einen schlechteren Tag. Bei Regenwetter, nur ca. 15 °C und derselben Tour, liegt der Durchschnitt bei ca. 20,70 € pro Stopp. Also bei ca. 60 %.
Dann ergibt sich: 36 Stopps × 20,70 € = 745,20 € Brutto-Umsatz.
Auch das ist immer noch ein guter Umsatz!
Lohnt sich ein Eiswagen auch an normalen Wochentagen?
Das Beispiel oben bezieht sich bewusst auf einen normalen Wochentag. Nicht auf einen perfekten Samstag. Nicht auf ein Volksfest. Nicht auf ein großes Event.
Sondern auf einen normalen Verkaufstag mit Firmenrunde und Straßenverkauf im Dorf. Das ist wichtig, weil viele Gründer zu sehr auf Ausnahme-Tage schauen. Natürlich kann ein sehr guter Samstag stark sein. Natürlich kann ein Event richtig gute Zahlen bringen. Aber die entscheidende Frage ist: Funktioniert das Geschäftsmodell auch an normalen Tagen?
Aus meiner Erfahrung – und auch aus dem Austausch mit Kollegen – lautet die Antwort: Ja, wenn die Tour stimmt. Freitags kann der Umsatz im Straßenverkauf erfahrungsgemäß noch einmal etwas höher liegen. Je nach Gebiet sind etwa 15 % mehr Umsatz pro Stopp möglich.
Der Samstag ist im reinen Straßenverkauf häufig einer der stärksten Tage. Hier können je nach Tour auch 30 % mehr Umsatz pro Stopp realistisch sein.
Aber auch hier gilt: Das sind keine festen Regeln. Bei mir persönlich ist samstags der stärkste Tag, bei manchen Kollegen ist es zum Teil freitags oder auch sonntags. Es gibt Dörfer, die abends gut laufen, andere laufen eher nachmittags. Darum ist es so wichtig, seine eigenen Zahlen zu kennen und Touren laufend zu optimieren.
Die zweite Säule: Das Event-Geschäft
Neben dem täglichen Straßenverkauf gibt es eine weitere, enorm lukrative Einnahmequelle: Events und Caterings. Ob Firmenfeiern, Hochzeiten oder große Sommerfeste – hier wirst du im Vorfeld für eine feste Zeit und oft für eine garantierte Menge an Eis gebucht.
Das bedeutet für dich: feste Budgets der Veranstalter, gute Planbarkeit und hohe Gewinnmargen pro Stunde.
Trotzdem sollte man auch Events realistisch betrachten. Nicht jedes Event lohnt sich automatisch. Entscheidend sind unter anderem fest vereinbarter Mindestumsatz, Anfahrt, Standzeit, Anzahl der Gäste und die Frage, wie gut das Event zu deinem Geschäftsmodell passt. Richtig kalkuliert können Events aber eine sehr starke Ergänzung zum Straßenverkauf sein.
Eiswagen Verdienst: Umsatz ist nicht gleich Gewinn
Das ist der wichtigste Punkt. Die genannten Zahlen sind Brutto-Umsätze. Davon müssen natürlich noch alle Kosten abgezogen werden.
Dazu gehören unter anderem Wareneinsatz, Sprit, Fahrzeugkosten, Versicherung, Lagerhalle, Reparaturen, Kühlung, Werbung, Rücklagen, Steuerberater und Steuern.
Wenn du dich mit einem Eiswagen selbstständig machen möchtest, darfst du also nicht nur fragen: Wie viel Umsatz kann ich machen?
Du musst auch fragen: Welche Betriebskosten habe ich jeden Tag, jede Woche und jede Saison?
Wie viel am Ende wirklich als Gewinn übrig bleibt, hängt von vielen Faktoren ab. Ein hoher Umsatz allein reicht nicht. Entscheidend ist, wie gut dein gesamtes System funktioniert.
Was bleibt nach Abzug der Kosten wirklich übrig?
Viele fragen mich an dieser Stelle: Wie viel bleibt denn nun nach Abzug all dieser laufenden Kosten (vor Steuern) unterm Strich übrig?
Natürlich hängt das von deinen individuellen Entscheidungen ab, aber ich kann dir einen klaren Richtwert aus der Praxis geben: Wenn dein Eiswagen-Business gesund aufgestellt ist, sollten deine gesamten Betriebskosten (inklusive Wareneinsatz) nicht höher als 40 % deines Umsatzes liegen. Wer sein System professionell optimiert, erreicht einen hervorragenden Kostenanteil von nur 33 % bis 37 %.
Das bedeutet im Umkehrschluss: Bei einem richtig eingestellten Geschäftsmodell bleiben dir vor Steuern gut 60 % bis 70 % deines Umsatzes als echter Gewinn!
Ein wichtiges Wort zu den Zahlen im Internet: Vielleicht hast du bei deiner Recherche schon Artikel gelesen, in denen behauptet wird, es blieben am Ende nur 15 bis 20 % Gewinn übrig. Lass dich davon nicht verunsichern! Für eine so geringe Marge würde sich tatsächlich niemand den ganzen Tag in den Eiswagen stellen und diese Arbeit auf sich nehmen.
Solche extrem niedrigen Zahlen haben meist zwei Gründe: Zum einen werden oft Äpfel mit Birnen verglichen. Eine klassische stationäre Eisdiele hat horrende monatliche Fixkosten für teure Pachtverträge, Personal an Schlechtwetter-Tagen und Strom für riesige Vitrinen. Ein mobiler Eiswagen ist dagegen ein extrem schlankes, agiles Geschäftsmodell mit minimalen Fixkosten. Zum anderen stammen solche Aussagen oft von Betreibern, die ihre Touren, den Wareneinsatz und ihre Kostenstrukturen schlichtweg nicht im Griff haben.
Warum Erfahrung beim Eiswagen so viel ausmacht
Ein Eiswagen kann gut verdienen. Aber es ist kein Selbstläufer. Der Unterschied zwischen einem schwachen und einem starken Ergebnis liegt oft nicht an einer einzigen großen Sache, sondern an vielen kleinen Details:
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Welche Tour fährst du?
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Zu welcher Uhrzeit bist du wo?
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Wie viele Stopps machst du?
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Wie lange wartest du?
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Welche Sorten hast du dabei?
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Wie kalkulierst du deine Preise?
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Wie gut kennst du deine Kunden?
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Wie gehst du mit deinen Kunden um?
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Wie gehst du mit schlechtem Wetter um?
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Wie planst du Events?
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Wie niedrig hältst du unnötige Kosten?
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Wie gut sind deine Einkaufspreise?
Ich habe selbst über viele Jahre gelernt, wie wichtig diese kleinen Stellschrauben sind. Am Anfang denkt man oft: Hauptsache, der Wagen fährt und das Eis schmeckt. Aber mit der Zeit merkt man: Der Erfolg entsteht aus dem Zusammenspiel vieler Details.
Wenn diese Dinge gut zusammenpassen, kann aus einem Eiswagen ein sehr solides Geschäft entstehen. Wenn sie nicht zusammenpassen, kann man trotz guter Umsätze jeden Tag unbemerkt Geld verlieren.
Kann man vom Eiswagen leben?
Ja, das ist möglich – ganz klar. Aber nicht automatisch. Ein Eiswagen-Business kann sich lohnen, wenn du weißt, wie du gute Touren aufbaust, deine Zahlen kennst, sauber kalkulierst, zuverlässig fährst und dein Geschäft Schritt für Schritt optimierst.
Wer glaubt, dass man einfach nur einen Eiswagen kauft, Musik anmacht und dann läuft das Geld von allein, wird wahrscheinlich enttäuscht. Wer das Geschäft aber ernst nimmt, gut plant und bereit ist zu lernen, kann sich damit ein starkes Einkommen aufbauen.
Gerade für Gründer ist deshalb wichtig: Starte nicht blind. Rechne sauber. Plane realistisch. Und lerne möglichst früh, welche Faktoren wirklich über Umsatz und Gewinn entscheiden.
Dein nächster Schritt
Wenn du gerade überlegst, mit einem Eiswagen zu starten, solltest du nicht nur fragen: Wie viel Umsatz ist möglich? Sondern auch:
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Welche Kosten kommen auf mich zu?
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Welche Touren passen zu meiner Region?
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Wie kalkuliere ich meine Preise richtig?
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Welche Genehmigungen brauche ich?
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Wie finde ich gute Verkaufsgebiete?
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Wie vermeide ich typische Anfängerfehler?
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Wie baue ich mir ein System auf, das langfristig funktioniert?
Genau dafür habe ich den Eiswagen-Führerschein erstellt. Darin zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du dein Eiswagen-Business planst, aufbaust und von Anfang an professioneller angehst – von der ersten Idee über Touren, Kalkulation, Genehmigungen, Sortiment und Marketing bis zum erfolgreichen Start.
Wenn du noch ganz am Anfang stehst, kannst du dir zuerst den kostenlosen Starter-Guide ansehen. Wenn du tiefer einsteigen möchtest, findest du hier alle Details zum Eiswagen-Führerschein: