Selbstgemachtes Eis vs. gekauftes Eis – was lohnt sich für einen Eiswagen?

Ich habe sogar eine Ausbildung in der Eisherstellung gemacht – und bin trotzdem beim eingekauften Eis geblieben. Warum, und was wirklich hinter der Entscheidung steckt, liest du hier.

Eine Entscheidung die alles beeinflusst – von den Kosten bis zum Alltag

Von Oliver Preuss | Eiswagenbetreiber seit über 16 Jahren

Eine der ersten Fragen die sich jeder stellt, der mit einem Eiswagen starten möchte: Mache ich mein Eis selbst oder kaufe ich es ein? Es klingt wie eine einfache Frage. Aber die Antwort beeinflusst nahezu alles – deine Startkosten, deinen Alltag, deine Marge, deine Genehmigungen und wie viel Zeit du wirklich für den Verkauf hast.

Ich habe später in meiner Laufbahn sogar eine Ausbildung in der Eisherstellung gemacht – und trotzdem bin ich beim eingekauften Eis geblieben. Warum, erkläre ich dir am Ende dieses Artikels.

Selbstgemachtes Eis – die unbestreitbaren Vorteile

Wer sein Eis selbst herstellt, hat einen Vorteil den kein Lieferant der Welt replizieren kann: frisches Eis direkt aus der Maschine in die Vitrine. Wer einmal selbstgemachtes Eis probiert hat das gerade frisch produziert wurde, versteht sofort was ich meine. Es ist cremiger, frischer und hat eine Textur die industriell hergestelltes Eis kaum erreicht. Das ist die Qualitätsspitze des Eisverkaufs – und wer das konsequent anbietet, hat ein echtes Alleinstellungsmerkmal.

Selbstgemachtes Eis – die ehrliche Kostenbilanz

Investition in Produktionsküche und Ausrüstung
Wer Eis selbst herstellen möchte, braucht eine zertifizierte Eisküche – ein sogenanntes Eislabor. Die Anforderungen der Lebensmittelbehörden sind streng. Das bedeutet Investitionen in Umbau, Ausrüstung und laufende Prüfungen.

Personalkosten – der oft vergessene Faktor
Wer den ganzen Tag seinen Eiswagen fährt und Eis verkauft, kann nicht gleichzeitig Eis produzieren. Das bedeutet: entweder produzierst du früh morgens vor der Tour – was deine Arbeitstage enorm verlängert – oder du beschäftigst jemanden der produziert während du fährst. Personalkosten sind oft der Punkt der die Eigenproduktion teurer macht als sie zunächst erscheint.

Qualitätsschwankungen und Speedprodukte
Nicht alles was als „selbstgemacht" verkauft wird ist wirklich hochwertig. Viele Betreiber greifen aus Zeitgründen auf Speedprodukte zurück – industrielle Grundmischungen die schnell verarbeitet werden. Das Ergebnis ist optisch ähnlich, geschmacklich aber eine andere Liga.

Mein Fazit zur Eigenproduktion: Sie lohnt sich – aber nur für Familienbetriebe, bei denen verschiedene Familienmitglieder die Aufgaben aufteilen können. Für Einzelbetreiber ohne Familienunterstützung ist es kaum zu stemmen.

Gekauftes Eis – die Vorteile

Lass mich mit einem Vorurteil aufräumen: Gekauftes Eis bedeutet nicht automatisch schlechteres Eis. Gute Eislieferanten bieten eine Qualität die meine Kunden seit Jahren überzeugt. Die Cremigkeit und Frische sind etwas geringer als bei frisch aus der Maschine kommendem Eis – das ist die ehrliche Wahrheit. Aber der Unterschied ist für die meisten Kunden minimal, und der Geschmack ist bei guten Lieferanten nahezu perfekt.

Was eingekauftes Eis außerdem bietet:

  • Hohe Sortenvielfalt – deutlich mehr Sorten als in eigener Produktion realistisch
  • Sofort einsatzbereit – kein Produktionsaufwand, keine zusätzlichen Genehmigungen
  • Volle Konzentration auf den Verkauf – die gesamte Energie geht in die Tour
  • Überschaubare Startkosten – kein Eislabor, keine aufwändige Ausrüstung

Was rechnet sich wirklich? Ein ehrlicher Vergleich

Auf den ersten Blick scheint die Eigenproduktion die höhere Marge zu bieten. Aber wenn man wirklich alle Kosten einrechnet – Abschreibung der Produktionsküche, Mehraufwand an Arbeitszeit, Personalkosten, zusätzliche Genehmigungen – ist der tatsächliche Margenunterschied oft geringer als erwartet. Manchmal kehrt er sich sogar um.

Die Entscheidung sollte also nicht allein auf Basis der Rohmargen getroffen werden. Habe ich familiäre Unterstützung? Habe ich Erfahrung in der Eisproduktion? Habe ich das Kapital für die nötigen Investitionen?

Meine persönliche Entscheidung – und warum

Als ich anfing, hatte ich keinerlei Erfahrung in der Eisherstellung. Ich habe später eine Ausbildung darin gemacht und die Grundlagen wirklich gelernt. Trotzdem bin ich beim eingekauften Eis geblieben. Der Grund ist einfach: Ich habe keinen Familienbetrieb der mir ermöglicht, Produktion und Verkauf zu trennen.

Ich habe auch versucht, Eis direkt bei lokalen Eisdielen einzukaufen. Das Ergebnis war ernüchternd: Die Preise waren so hoch, dass für mich kaum etwas übrig geblieben wäre.

Durch meine langjährige Zusammenarbeit mit Gelamor und heute durch die EiswagenPro Einkaufsgemeinschaft habe ich sehr gute Konditionen ausgehandelt, bei denen wirklich eine solide Marge bleibt. Meine Kunden bestätigen mir seit Jahren, dass die Qualität stimmt.

Bereit für den nächsten Schritt?

Die Entscheidung zwischen Eigenproduktion und eingekauftem Eis ist eine der wichtigsten beim Einstieg. Im Eiswagen-Führerschein gehe ich auf dieses Thema ausführlich ein – mit konkreten Kalkulationsbeispielen und klaren Empfehlungen.

Oliver Preuss begann mit 21 Jahren in Ulm mit dem Eisverkauf. Es folgten Stationen auf Rügen, Stralsund sowie in der Ortenau und rund um Strasbourg. In Dornstetten eröffnete er gemeinsam mit seiner Frau Judith ein Eiscafé – parallel zu seinem laufenden Eiswagen-Betrieb. Nach dem Verkauf kauften sie für Judith einen zweiten Wagen. Heute fahren beide zwei Eiswagen in den Regionen Freudenstadt und Calw. Mit EiswagenPro gibt Oliver sein Wissen an neue Eiswagenbetreiber weiter.