Welche Eissorten verkaufen sich beim Eiswagen wirklich?

Nicht die meisten Sorten gewinnen – sondern die richtigen. Nach 16 Jahren auf der Straße weiß ich genau was sich wirklich verkauft und was nur im Regal steht. Hier teile ich meine ehrliche Sortimentsstrategie.

Was ich in 16 Jahren auf der Straße über Sortiment gelernt habe

Von Oliver Preuss | Eiswagenbetreiber seit über 16 Jahren

Das Sortiment ist eine der Entscheidungen, die Einsteiger am häufigsten unterschätzen. Man denkt: viele Sorten = viele Kunden. Aber so einfach ist es nicht. In über 16 Jahren auf der Straße habe ich gelernt, dass ein gut durchdachtes, überschaubares Sortiment mehr Umsatz bringt als ein aufgeblähtes Angebot das logistisch kaum zu managen ist.

Die Klassiker die immer da sein müssen

Es gibt Sorten die verkaufen sich seit Jahrzehnten zuverlässig – egal ob Hitzewelle oder bewölkter Sommertag. Schokolade, Erdbeere, Vanille, Stracciatella – das sind keine langweiligen Sorten. Das sind die Sorten nach denen deine Kunden greifen wenn sie nicht lange nachdenken wollen.

Ich fahre seit Jahren ungefähr neun Standardsorten die in meinem Wagen immer vertreten sind. Diese bilden das Rückgrat meines Sortiments – der verlässliche Kern auf den sich meine Stammkunden verlassen. Welche neun Sorten das bei mir konkret sind und warum, erkläre ich im Detail im Eiswagen-Führerschein.

Eisbecher und Eisspezialitäten – unterschätzt und sehr wichtig

Eisbecher sind für viele Einsteiger zweitrangig. Das ist ein Fehler. Eisbecher sprechen eine Zielgruppe an, die man als Eiswagenbetreiber nicht unterschätzen sollte: die ältere Kundschaft. In meiner eigenen Tour habe ich mehr ältere Kunden als Kinder – und genau diese Gruppe greift sehr gerne zu einem schön zubereiteten Eisbecher statt zu einer schnellen Kugel.

Aber hier gilt eine eiserne Regel: Wenn ich einen Eisbecher für 8 Euro verkaufe, muss er mit Liebe zubereitet sein und top aussehen. Kein Kunde zahlt 8 Euro für einen lieblos zusammengeworfenen Becher. Gleichzeitig muss die Zubereitung schnell gehen. Wer zehn Kunden in der Schlange hat, kann sich keine fünfminütige Becher-Kreation leisten.

Mein Rat für Einsteiger: Fang mit einem kleinen Eisbecher-Menü an – zwei bis drei Varianten die du wirklich beherrschst. Lieber weniger und perfekt als viel und mittelmäßig. Üben, üben, üben!

Variation hält das Sortiment lebendig

Neben den festen Standardsorten bringe ich wöchentlich zwei bis drei neue oder wechselnde Sorten mit. Nicht als Ersatz für die Klassiker – sondern als Ergänzung. Der Effekt ist enorm. Stammkunden fragen beim nächsten Mal als erstes: „Was hast du Neues?" Diese Neugier hält die Begeisterung aufrecht und gibt Stammkunden immer wieder einen Grund, auch mal mehr zu kaufen als geplant.

Fruchteis vs. Milcheis

Beide haben ihren Platz im Sortiment – aber sie sprechen unterschiedliche Kunden an. Fruchteis ist erfrischend, leichter und wird besonders an sehr heißen Tagen stark nachgefragt. Milcheis ist cremiger, sättigender und ein echter Klassiker für alle Altersgruppen. Ein ausgewogenes Verhältnis beider Kategorien ist wichtig.

Shakes, Eiskaffee und Eisschokolade

Diese drei Ergänzungen sind keine Notwendigkeit – aber eine sehr sinnvolle Erweiterung die den durchschnittlichen Umsatz pro Kunde erhöht. Shakes sprechen jüngere Kunden an. Eiskaffee und Eisschokolade sind besonders bei der älteren Kundschaft sehr gefragt – genau die Zielgruppe, die ich mit meinen Eisbechern bereits anspreche.

Trends – was lohnt sich wirklich?

Vegane Eissorten sind kein kurzfristiger Hype mehr – sie sind angekommen. Wer eine oder zwei gute vegane Optionen im Sortiment hat, spricht eine wachsende Kundengruppe an. Bei exotischen Sorten bin ich vorsichtiger. Ich teste neue Trends als wechselnde Wochensorte – und wenn sie sich nicht durchsetzen, verschwinden sie wieder.

Die goldene Regel: immer alles da – auch beim letzten Kunden

Das ist einer der wichtigsten Grundsätze meiner Arbeit. Deine Kunden verlassen sich darauf, dass sie ihre Lieblingssorten bei dir bekommen. Wenn eine Stammkundin die immer Stracciatella kauft beim dritten Mal in Folge hört „tut mir leid, ist schon alle" – dann kommt sie irgendwann nicht mehr.

Ausverkaufte Sorten sind kein Zeichen eines guten Tages. Sie sind ein Zeichen falscher Planung. Besser etwas zurückfahren als den letzten Kunden enttäuschen.

Meine persönliche Sortimentsstrategie

Nach 16 Jahren habe ich ein Sortiment das ich kenne, das ich beherrsche und das meine Kunden lieben. Es ist nicht das größte Sortiment – aber es ist das richtige für meine Touren und meine Kundschaft. Gute Auswahl, aber nicht aufgebläht. Variation, aber mit verlässlichem Kern. Eisbecher die ich im Schlaf zubereiten kann. Und immer genug von allem – bis zum letzten Kunden des Tages.

Die konkreten Sorten, Mengen und meine genaue Strategie teile ich im Eiswagen-Führerschein.

Bereit für den nächsten Schritt?

Das richtige Sortiment ist eine Wissenschaft für sich – aber eine lernbare. Im Eiswagen-Führerschein zeige ich dir genau welche Sorten ich empfehle, wie du deine Mengen planst und wie du deine Eisbecher so vorbereitest, dass sie schnell gehen und trotzdem begeistern.

→ Hier geht es zum kostenlosen Starter-Guide.

→ Hier erfährst du alles über den Eiswagen-Führerschein.

Oliver Preuss begann mit 21 Jahren in Ulm mit dem Eisverkauf. Es folgten Stationen auf Rügen, Stralsund sowie in der Ortenau und rund um Strasbourg. In Dornstetten eröffnete er gemeinsam mit seiner Frau Judith ein Eiscafé – parallel zu seinem laufenden Eiswagen-Betrieb. Nach dem Verkauf kauften sie für Judith einen zweiten Wagen. Heute fahren beide zwei Eiswagen in den Regionen Freudenstadt und Calw. Mit EiswagenPro gibt Oliver sein Wissen an neue Eiswagenbetreiber weiter.