5.3 Eiswagen Businessplan schreiben: Ziele setzen & planen

Der Businessplan hat seinen größten Wert nicht im Bankgespräch, sondern vorher. Wie du messbare Ziele formulierst, sie in Etappen zerlegst, warum du drei Szenarien rechnen solltest – und warum der Worst Case der wichtigste ist.

5.3 Businessplan für den Eiswagen: Kompass statt Pflichtdokument

Von Oliver Preuss | Eiswagenbetreiber seit über 17 Jahren

Die meisten schreiben ihren Businessplan, weil die Bank ihn verlangt. Sie geben ihn ab, bekommen ihre Zusage – und legen ihn in die Schublade.

Das ist verschenkte Arbeit. Denn der Plan hat seinen größten Wert nicht im Bankgespräch, sondern vorher: Er zwingt dich, jede Annahme einmal aufzuschreiben. Und dabei fällt auf, was nicht zusammenpasst – solange es noch nichts kostet.

Ich zeige dir hier, wie du zu Zielen kommst, mit denen sich arbeiten lässt, und was in einem Plan steckt, der dir wirklich hilft.

Erst die Ziele, dann der Plan

Der Businessplan ist die logische Folge deiner Ziele, nicht umgekehrt. Wer ohne Ziel plant, beschreibt nur seinen Alltag.

Und Ziele geben deinem Geschäft Richtung. Ohne sie bist du ein Eiswagen, der ohne Route herumfährt.

Der häufigste Fehler dabei: Es wird nur ein einziger Zielbereich formuliert, nämlich Umsatz. Dabei entscheiden andere Dinge genauso über deinen Erfolg. Wie schnell du in jedem Dorf eine Stammkundschaft aufbaust. Wie sauber du durch die erste Kontrolle des Gesundheitsamts kommst. Wann dein Sortiment über die Grundsorten hinauswachsen soll. Ob und wann ein zweites Verkaufsgebiet dazukommt.

Ein guter Zielsatz deckt mehr ab als deinen Kontostand.

„Mehr Umsatz" ist kein Ziel

Das ist die wichtigste Regel bei diesem Thema.

„Mehr Umsatz" kann man nicht überprüfen. Ein Ziel dagegen hat eine Zahl und eine Frist – dann weißt du am Ende der Saison, ob du es erreicht hast oder nicht. Diese Ehrlichkeit tut manchmal weh, aber sie ist der einzige Weg, aus einem Wunsch eine Planung zu machen.

Genauso wichtig: Zerlege große Ziele in kleine Etappen.

Ein Umsatzziel für eine ganze Saison klingt gewaltig und lähmt eher, als dass es motiviert. Teile es durch die Zahl deiner geplanten Verkaufstage, und plötzlich steht da eine Summe pro Tag, die du einschätzen kannst. Du weißt dann nicht nur, wo du hinwillst – du weißt nach jedem Verkaufstag, ob du auf Kurs bist.

Zwei Dinge, die banal klingen und trotzdem wirken: Schreib deine Ziele sichtbar auf, an die Wand oder ins Handy. Und feiere die kleinen Erfolge. Der erste Tag, an dem du deine Zielmarke knackst, ist ein echter Moment – der trägt dich durch die Wochen, in denen es nicht läuft.

Was in deinen Plan gehört

Ein Businessplan besteht immer aus denselben Grundbausteinen, egal ob du ein Restaurant, einen Onlineshop oder einen Eiswagen eröffnest: Zusammenfassung, Unternehmensbeschreibung, Marktanalyse, Organisation, Angebot, Marketing, Finanzierungsbedarf, Finanzplanung, Anhang.

Diese Gliederung findest du in jedem Gründerratgeber. Die eigentliche Arbeit besteht nicht darin, sie zu kennen, sondern jeden Punkt mit deinen eigenen Zahlen und Beobachtungen zu füllen. Im Eiswagen-Führerschein gehe ich mit dir Abschnitt für Abschnitt durch, was für unser Geschäft konkret hineingehört – mit den Leitfragen, an denen du dich entlanghangeln kannst.

Drei Punkte will ich hier hervorheben, weil sie regelmäßig zu kurz kommen:

Die Marktanalyse. Du musst keine Statistik erfinden. Es reicht, wenn du dein Umfeld ehrlich beobachtest: Wie viele Menschen leben in deinen Zielorten? Gibt es dort eine Eisdiele, einen anderen Wagen, eine Bäckerei mit Eistheke? Was daran ist deine Chance, was dein Risiko? Wie du eine Region systematisch bewertest, habe ich in der Kategorie „Markt, Touren & Verkauf" beschrieben.

Die Organisation. Wer fährt, wer verkauft, wer macht die Buchhaltung? Wenn du allein startest, ist das völlig in Ordnung – Hauptsache, die Rollen sind klar benannt. Genau das zeigt einer Bank, dass du dein Unternehmen im Griff hast.

Die Marketingkosten. Flyer, Website, Beklebung, Anzeigen – das taucht in vielen Plänen gar nicht auf und kostet trotzdem jeden Monat Geld.

Rechne drei Szenarien, nicht eines

Das ist der Teil, an dem sich zeigt, ob ein Plan belastbar ist.

Bei uns hängt der Umsatz am Wetter, und das lässt sich nicht planen. Deshalb rechnest du deine Finanzplanung nicht einmal durch, sondern dreimal:

  • Best Case: heißer Sommer, viele Kunden.
  • Realistisch: durchschnittliches Wetter, stabile Verkäufe.
  • Worst Case: verregneter Sommer.

Der Worst Case ist dabei der wichtigste – und der, den die meisten schönrechnen. Er beantwortet die entscheidende Frage: Überstehe ich eine schlechte Saison, ohne aufgeben zu müssen?

Wenn die Antwort nein lautet, hast du kein Wetterproblem. Du hast ein Planungsproblem, und zwar bevor du irgendetwas gekauft hast. Genau dafür schreibst du den Plan.

Die Grundlage dieser Rechnung ist deine Kalkulation. Wie du deine Preise aufbaust, habe ich im Artikel über die Preiskalkulation beschrieben.

Der Plan gehört nicht in die Schublade

Dein Businessplan ist kein Dokument, das du einmal abgibst. Er ist dein Steuerungsinstrument, und du brauchst ihn immer wieder:

  • nach der ersten Saison, um zu prüfen, was funktioniert hat und was nicht
  • wenn du deine Preise anpassen willst
  • wenn du über einen zweiten Wagen nachdenkst

Er wächst mit deinem Geschäft. Und wenn du nach der ersten Saison deine echten Zahlen neben deine Annahmen legst, lernst du mehr über dein Geschäft als aus jedem Ratgeber – auch aus meinem.

Plane Zeit dafür ein

Ein Businessplan entsteht nicht an einem Abend. Du wirst zwischendurch merken, dass dir Informationen fehlen: Preise von Ausbaufirmen, Auskünfte vom Gesundheitsamt, Zahlen aus deiner Region.

Das ist kein Zeichen dafür, dass du schlecht vorbereitet bist. Es ist der eigentliche Zweck der Übung. Jede Lücke, die beim Schreiben auffällt, hättest du sonst im laufenden Betrieb entdeckt – und dort ist sie teurer.

Mein Fazit

Ziele geben dir die Richtung, der Businessplan zeigt dir den Weg.

Schreib ihn für dich, nicht für die Bank. Formuliere Ziele, die du überprüfen kannst. Zerlege sie in Etappen, die du jeden Tag im Blick behältst. Und sei beim Worst Case ehrlich – lieber jetzt erschrecken als im August.

Wie es in dieser Kategorie weitergeht

Zu diesen Themen erscheint hier in Kürze jeweils ein eigener Artikel:

  • Das Bankgespräch. Wie du dich vorbereitest und wie die Gegenseite denkt.
  • Buchhaltung und Steuern. Einmal richtig aufgesetzt, dann läuft es.

Bereits erschienen sind die Artikel zur Preiskalkulation und zum Notfallpolster.

Über den Autor

Von Oliver Preuss – seit über 17 Jahren im mobilen Eisverkauf. Gemeinsam mit meiner Frau Judith betreibe ich zwei Eiswagen im Raum Freudenstadt und Calw. Auf EiswagenPro gebe ich weiter, was ich in dieser Zeit gelernt habe – ohne Beschönigung.

Dein nächster Schritt

Wenn du noch am Anfang stehst, hol dir meinen kostenlosen Starter-Guide „Die 5 entscheidenden Schritte zum eigenen Eiswagen".

Und wenn du deinen Businessplan schreiben willst, führt dich der Eiswagen-Führerschein durch jeden Abschnitt – mit den Leitfragen, die für den mobilen Eisverkauf wirklich zählen.

Hinweis: Steuerliche und rechtliche Rahmenbedingungen ändern sich und unterscheiden sich je nach Region. Für deine konkrete Situation solltest du zusätzlich einen Steuerberater hinzuziehen.

Oliver Preuss begann mit 21 Jahren in Ulm mit dem Eisverkauf. Es folgten Stationen auf Rügen, Stralsund sowie in der Ortenau und rund um Strasbourg. In Dornstetten eröffnete er gemeinsam mit seiner Frau Judith ein Eiscafé – parallel zu seinem laufenden Eiswagen-Betrieb. Nach dem Verkauf kauften sie für Judith einen zweiten Wagen. Heute fahren beide zwei Eiswagen in den Regionen Freudenstadt und Calw. Mit EiswagenPro gibt Oliver sein Wissen an neue Eiswagenbetreiber weiter.